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Erkenne dich selbst (und hab keine Angst davor)

Gestern habe ich mich mal wieder ertappt. Ich habe etwas erkannt, einen Schatten, wie man so schön sagt. Etwas, was ich bisher nicht wahrhaben wollte. Wovor ich mich schützen wollte. Kennst du das, wenn du in die tiefen deiner Seele blickst und erkennst, wo du dich nicht wie ein verantwortungsvoller Erwachsener verhältst? Wenn du deine Strukturen aufgrund alter Verletzungen erkennst? Wenn du bemerkst, dass du dich gerade kindisch verhältst. Oder irgendwie unzulänglich. Jedenfalls nicht so, wie du eigentlich gerne sein würdest?

Damit will ich nichts zu tun haben

Ich denke, genau das ist der Grund, warum so viele Menschen sich davor scheuen, in diese Abgründe zu blicken und lieber schön an der Oberfläche bleiben. Die Wahrheit kann manchmal hart sein, denn sie ist gnadenlos ehrlich und konfrontiert einen mit diesen Dingen, die man nicht so gerne an sich sehen möchte.

Ich erinnere mich noch, wie ich mit Anfang 20 meine erste wirklich harte Erkenntnis dieser Art hatte. Das war ein ziemlich intensiver Prozess, in dem mir bewusst geworden ist, wie ich andere Menschen manipuliere. Ihh, bäh. Damit wollte ich nichts zu tun haben. Hatte ich aber. Natürlich nicht bewusst, sonst hätte ich es nicht gemacht, so anständig war ich dann ja schon. Und genau deswegen wollte ich damit auch nichts zu tun haben. Ich wollte keine sein, die manipuliert. Mir das einzugestehen war ein hartes Brot. Ich hab mich erst mal ziemlich schäbig gefühlt.

Aber das ging vorüber. Und es blieb die Erkenntnis, warum ich das gemacht habe. Das ist der Grund, warum es sich lohnt, mal hinzuschauen. Um daraus zu lernen, daran zu wachsen und es endgültig hinter sich zu lassen. Ich habe verstanden, dass es die Hilflosigkeit in manchen Momenten gewesen ist, die mich das machen lassen hat. Eine Hilflosigkeit, die als Kind erlernt wurde. Und die als erwachsener Mensch nicht mehr nötig ist. Und so konnte ich dieses Verhalten hinter mir lassen.

Manchmal reicht zwar nicht die bloße Erkenntnis, dann muss zunächst in neues Verhalten erlernt werden. Aber genau das ist eben häufig erst möglich, wenn man sich mit den Hintergründen auseinandersetzt. Wenn man wieder mit diesem Anteil in sich in den Kontakt kommt. Und der erste Schritt ist dafür, sich einzugestehen, dass man sich aktuell nicht so verhält, wie man es gerne hätte.

100% Verantwortung

Und gestern? Gestern durfte ich mir das Thema Verantwortung noch mal genauer ansehen. Nicht, dass ich mir das nicht schon öfter mal angesehen habe. Aber wir sind ja wie Zwiebeln, die man Schicht für Schicht auspacken kann, bis man an den eigentlichen Kern kommt. Der Keim, aus dem die Pflanze entspringt. Und so war es heute an der Zeit, eine tiefere Ebene anzusehen, für die ich bisher offenbar nicht bereit gewesen bin.

Gott sei Dank gibt es ja diese Arschengel (der Begriff stammt von Robert Betz). Menschen, die durch ihr Verhalten wunde Punkte in uns antriggern. In so einem Moment hab ich die Wahl, ob ich auf den Menschen schimpfen und es ausagieren möchte, oder ob ich in mich gehe und in mir erforsche, warum ich da so emotional drauf reagiere. Letzteres ist übrigens viel wirkungsvoller, macht nur manchmal nicht so viel Spaß 😉 Aber am Ende ist es doch großartig, wenn man sich mal wieder auf die Schliche kommt. Und so durfte ich den Punkt in mir erkennen, an dem ich noch nicht die volle Verantwortung für mich und mein Leben übernommen hatte.

Der Arschengel erinnerte mich in seinem Verhalten an eine mir nahstehende Person. Darüber kam ich an die Wut und den Schmerz, der in jungen Jahren in mir entstanden ist, sich aber gestern für einen Moment noch mal ziemlich lebendig anfühlte. Das ist allerdings immer noch eine Projektion, wenn auch wenigstens nicht mehr so verschoben wie die erste. Da ich mir vor ein paar Wochen aber einen für mich extrem heilsamen und wirkungsvollen Satz auf die Fahne geschrieben habe, war mein Bewusstsein wach und geschärft und ich bin mir dadurch direkt auf die Schliche gekommen. Der Satz lautet:

Ich trage die volle Verantwortungen für alle Erfahrungen, die meine Seele hier auf der Erde machen will.

Dieser Satz holt mich voll in meine Kraft. Bringt mich zu mir. Wenn ich das fühle, dann hören Schuldzuweisungen auf und der Wunsch, dass andere Menschen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen verschwindet. Mit der Folge, dass in mir Ruhe und Frieden entsteht.

Das bedeutet NICHT, dass ich das Verhalten anderer Menschen in dem Moment gutheiße. Gehe ich auf die Bewertungsebene finde ich es immer noch nicht korrekt. Und ich bin weiterhin der Meinung, dass es angesagt wäre, die Verantwortung für das Handeln zu übernehmen. Aber das kann ich ja nicht erzwingen. Wenn ich an dieser Stelle hängen bleibe, dann reibe ich mich auf und gehe in den Kampf mit der Wirklichkeit. Und den kann ich nur verlieren. Für meinen inneren Frieden lasse ich das Beurteilen deswegen los und konzentriere mich stattdessen auf mich und die Verantwortung für meine Gefühle, meine Erfahrungen und mein Leben. Das sind zwei unterschiedliche Ebenen. Und ich entscheide mich für die, die Frieden in mir macht. Das klappt nicht sofort und auch nicht immer. Aber es wird leichter.

Ich bin so dankbar dafür, dass ich diesen Weg gefunden habe, mit mir umzugehen. Dass ich in der Lage bin, mal früher mal später, in solchen Momenten in mich zu gehen und für mich, unabhängig von anderen Menschen eine Möglichkeit habe, Situationen für mich zu lösen.

Das Leben bietet ständig Möglichkeiten, mich weiter zu entwickeln. Ein riesiger Spiegel, der mir zeigt, wo es noch etwas zu tun gibt. Es braucht nur Mut und das Interesse hinzuschauen.

Bist Du bereit?

Ja, okay, es gibt Angenehmeres, als sich seine Unzulänglichkeiten einzugestehen. Aber hey, du bist ein Meister, der übt. Wir sind alle hier auf der Welt, um unsere Erfahrungen zu machen, um zu wachsen. Wir sind nicht perfekt auf die Welt gekommen und wir werden auch höchstwahrscheinlich nie perfekt werden. Sich Fehler einzugestehen, zu erkennen, dass man noch Potenzial nach oben hat, ist für mich ein absolutes Zeichen von Stärke. Und letztendlich entscheidest Du darüber, wie du das ganze bewertest. Du hast in der Hand, ob du vor Scham den Kopf in den Sand steckst oder ob du hocherhobenen Hauptes in die Verantwortung gehst und sagst „Hey ja, das habe ich gemacht, so bin ich gewesen. Ich habe es erkannt und jetzt tue ich mein Bestes dafür, es anders zu machen.“ Es ist deine Entscheidung, dein Weg, dein Leben, deine Sicht auf die Dinge.



Der Weg lohnt sich!

Was am Anfang vielleicht noch anstrengend und etwas müßig ist, das macht mit der Zeit so richtig Spaß, wenn du erst mal siehst, was du für Fortschritte dadurch machst. Wenn du spürst, dass du immer freier und freier wirst, immer mehr in deine Kraft kommst und immer selbstbewusster wirst. Und zwar nicht auf eine überhebliche Art selbstbewusst, so wie man es werden kann, wenn man seine Schattenseiten (Minderwertigkeitsgefühle, Neid, manipulatives Verhalten, Ängste usw.) unterdrückt und sich darüber erhebt, sondern ein Selbstbewusstsein, das aus dem Herzen kommt. Ein erkennen deines Potenzials, deiner Schönheit, deiner Großartigkeit – trotz der „Unzulänglichkeiten, die ich ab diesem Punkt eigentlich gar nicht mehr so nennen möchte. Es sind Sprungbretter auf genau die andere Seite dieser Qualität. Wer sich seiner Angst stellt wird mutig, wer Neid überwindet, lernt zu gönnen, Hilflosigkeit wird zur Selbstermächtigung usw. Unsere größten Hürden werden zu unseren größten Gaben, wenn wir sie überwinden.

Es ist die Möglichkeit, deine Fähigkeiten und dein Sein in die Welt zu bringen. Eine ganz schöne Qualität kann da entstehen, weil es eben nicht mehr notwendig ist, besser zu sein als andere, wenn man seine ganz individuelle Größe und Stärke erkannt hat. Denn sie sich selbst zuzusprechen bedeutet, auch anzuerkennen, dass jeder andere Mensch auf seine eigene Art ebenso schön und großartig ist.

Ich erlebe diesen Prozess der Selbsterkenntnis wie einen Selbstläufer. Alleine die Ausrichtung darauf, mich immer weiter entwickeln zu wollen, über mich hinauszuwachsen, führt offensichtlich dazu, dass diese Klarheiten fast von alleine entstehen. Es braucht nur noch den Moment zu erkennen, dass etwas nicht so ist, wie es eigentlich sein könnte oder wie ich es gerne hätte. Diese Bewusstheit schiebt einen Prozess an, so dass es wie von selbst in mir arbeitet. Das Thema wird immer deutlicher, die Zusammenhänge zeigen sich. Ich kann mich mit dem Thema beobachten und es so nach und nach verändern. Es wird immer klarer, bis es sich irgendwann auflöst. Manchmal schleichend, so dass es kaum auffällt. Aber manchmal auch so wie gestern, als mir ein ziemlich großes Licht aufgegangen ist und ich mich ertappt habe.

Wie ist das bei dir? Fällt es dir leicht, dich den „Schatten“ in dir zuzuwenden? Kannst du diese Teile in dir willkommen heißen und liebevoll annehmen?

Wenn dir der Artikel gefallen hat, freue ich mich, wenn du ihn teilst.

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