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„Mein Leben hat sich einmal um 180 Grad gedreht.“

Suzanne über ihren Weg

Was heißt es für Dich, „auf dem Weg“ zu sein, Suzanne?

Mh, grundsätzlich denke ich, dass wir immer auf dem Weg sind, jeder von uns, unser ganzes Leben lang.

Aber speziell im Sinne Deiner Frage heißt „auf dem Weg sein“ für mich, sich bewusst(er) damit auseinanderzusetzen, wie man lebt, was man so den lieben langen Tag tut und warum man das tut. Und es bedeutet, im nächsten Schritt gegebenenfalls den Pfad zu verlassen, den man bisher vielleicht aus inzwischen nicht mehr stimmigen Gründen mitgelaufen ist – und einen neuen Weg zu beschreiten.

Das habe ich Anfang 2015 getan.

Wo/Wie fing es an? Was war der Auslöser?

Lustigerweise kommt mir bei dieser Frage genau ein obskurer Moment in den Kopf, den ich bisher noch nie öffentlich erwähnt habe:

Im Weihnachtsurlaub Ende 2014 habe ich mit meinem Mann den „Highlander“ auf DVD geguckt. Da gibt es eine Szene, in der die normalsterbliche Frau des unsterblichen Helden stirbt – eigentlich einfach kitschig, aber ich fand das damals echt unerträglich traurig.

Ich konnte diese Szene kaum ertragen, weil sie mich so schmerzhaft an meine eigene Sterblichkeit erinnerte und ich zu der Zeit schon das Gefühl hatte, in meinem Job lebendig begraben zu sein. Für mich war mein Leben beendet, ich fühlte mich in diesem Job so unwohl und überhaupt nicht lebendig.
Bestimmt kennst Du dieses Zitat von Oscar Wilde: „Leben – es gibt nichts Selteneres auf der Welt. Die meisten Menschen existieren, weiter nichts.“

Existieren. Das trifft mein damaliges Gefühl sehr auf den Kopf. Dabei hatte ich bis dahin ein so spannendes und reiches Leben geführt. Ich war am Boden und hatte mir durch das Verharren in für mich schlechten Arbeitsbedingungen noch eine schöne Angststörung angelacht.

So konnte es nicht weitergehen. Ich MUSSTE etwas verändern, wenn ich nochmal in meine geliebte Lebendigkeit reinspringen wollte. Und das tat ich: Anfang 2015 suchte ich mir eine Therapeutin, im März kündigte ich, Ende Juni war ich frei!

Was hat sich seitdem verändert?

Was sich für mich alles getan hat, ist schwer in Worte zu fassen. Mein Leben hat sich einmal um 180 Grad gedreht. Ich versuche mal, die wichtigsten Punkte anzuschneiden:

Zuerst einmal bin ich meine Angststörung losgeworden, wofür ich unendlich dankbar bin. Zu den schlimmsten Zeiten dachte ich: „Wenn das jetzt mein Leben ist, wenn das jetzt für immer so bleibt: Das halte ich nicht aus!“ Ich war völlig verzweifelt und schaute mehr als sehnsüchtig auf all meine vergangenen, glücklichen Jahre zurück.

Durch meine Therapie hat meine persönliche Entwicklung einen richtigen Turboschub bekommen und ich habe in den letzten 12, 15 Monaten unglaublich viel über mich gelernt und kann viel besser mit mir und der Welt umgehen. Ich habe außerdem meine Spiritualität (wieder-)entdeckt, was mir auch unglaublich gut tut.

Nun bin ich gerade auch noch auf dem Sprung in meine hauptberufliche Selbstständigkeit, die ich seit Anfang 2016 schon nebenberuflich ausgeübt hatte. Damit bin also auch beruflich inzwischen wieder auf Kurs und sehr zufrieden.

Was für Auswirkungen hat das auf Dein Leben, Deine Freundschaften und Beziehungen?

Wie schon angedeutet, meine Lebenszufriedenheit ist circa um 1000 Prozent gestiegen. Ich komme viel besser mit mir und der Welt klar, als vorher.

Im Verlauf des letzten Jahres hat es allerdings in ein paar Freundschaften Konflikte gegeben – das lag zum einen daran, dass ich eine Zeit lang sehr mit meiner Angsterkrankung zu kämpfen hatte und deshalb an manchen Stellen verständlicherweise ziemlich dünnhäutig war. Zum anderen habe ich endlich angefangen, deutliche Grenzen zu setzen, was ich vorher einfach nicht gut konnte, aufgrund meiner Persönlichkeit und meiner Erfahrungen im Leben. Das hat wohl auch die eine oder den anderen irritiert.

Andere Freundschaften sind dagegen durch die Entwicklung auf beiden Seiten sogar noch viel enger geworden, als sie es bis dahin waren, das ist eine total schöne Erfahrung.

Meine Beziehung hat sich eigentlich nicht groß verändert – außer, dass mein Mann jetzt vielleicht noch ein bisschen öfter als zuvor von mir dazu genötigt wird, Dinge und Emotionen im Gespräch zu klären. Er trägt es mit Fassung.

Was hat Dir bisher besonders geholfen?

Das war definitiv die Arbeit mit meiner Therapeutin – und daran anschließend die Arbeit mit meiner spirituellen Mentorin.

Gegen meine Angsterkrankung hat meine Therapeutin extrem effektiv eine systemische Therapie mit EMDR kombiniert. Die Verbesserung meines Befindens ist, rückblickend betrachtet, rasend schnell vorangegangen, auch wenn ich das natürlich zu meinen schlimmsten Monaten überhaupt nicht so empfunden habe.

Die Arbeit mit meiner Mentorin hilft mir nun nochmal ungemein, mich für meine erfolgreiche Selbstständigkeit seelisch gut aufzustellen.

Ohne die unglaublich fachkundige und herzliche Hilfe dieser beider Personen wäre ich mit Sicherheit nicht da, wo ich heute schon bin.

Was waren oder sind die Herausforderungen auf dem Weg?

Ganz klar: Den Zweifeln den Stinkefinger zu zeigen. Zweifel und Ängste sind ja total menschlich, aber man muss halt sehr aufpassen, dass man sich ihnen nicht zu sehr hingibt.

Zweifel begleiten mich diesen ganzen Weg lang. Ich hab gezweifelt, ob ich wirklich meinen unbefristeten Job kündigen soll, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Ich habe daran gezweifelt, dass es mir jemals wieder besser gehen würde. Ich habe gezweifelt, ob ich wirklich zur Selbstständigen tauge und ich habe gezweifelt, ob ich es wirklich wagen sollte, direkt in die hauptberufliche Selbstständigkeit zu gehen.

Ist alles normal, aber man muss halt sehen, dass man sich davon nicht kleinkriegen lässt, wenn man erfolgreich und erfüllt arbeiten und leben möchte.

Warum lohnt es sich für Dich, diesen Weg zu gehen?

Weil er mich wieder glücklich gemacht hat. Weil er mich stärker gemacht hat. Weil ich jeden Tag neue Dinge lerne, die mich bereichern – sei es fachlich oder auch spirituell. Ich fühle mich einfach wieder lebendig, etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen.

Vielen Dank, dass Du so offen von Deiner Geschichte erzählt hast. Das Thema Therapie/seelische Krankheiten ist ja leider oft ein Tabuthema und ich hoffe, dass Menschen davon lesen und sich bestärkt fühlen, dass sie aus dieser Phase auch wieder herauskommen können. Ich wünsche Dir viel Erfolg für Deine Selbstständigkeit!


Portrait SuzanneSuzanne lebt mit ihrem Mann in Hannover. Sie bloggt seit März 2015 auf freeyourworklife.de über ihren (inzwischen erfolgreichen) Weg raus aus dem unerfüllten Arbeitsleben. Ihr Haupterwerb ist ab Mitte Juli ihre freiberufliche Arbeit als Strategische Kommunikationsberaterin, Texterin und Social Media Managerin.

 

 

 


Dieses Interview ist Teil einer Serie. Mein Wunsch ist Menschen Mut zu machen, sich auf „ihren Weg“ zu begeben. Mut, sich wieder mit ihrem Wesenskern zu verbinden, dem Herzen und der inneren Stimme zu folgen, daraus zu leben und in Kauf zu nehmen, gesellschaftliche anerkannten Wege dabei auch mal zu verlassen, sofern sie nicht dem Herzen entsprechen, Mut, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen und Verantwortung für sich zu übernehmen. Ich möchte inspirieren, Wege und Möglichkeiten aufzeigen und Horizonte eröffnen.


 

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