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Mit gutem Gefühl Grenzen setzen

Nein zu sagen fällt vielen Menschen schwer. Dahinter steckt häufig die Angst, abgelehnt zu werden. Ich glaube, das Programm „Wenn ich für mich einstehe, werde ich nicht mehr gemocht“ läuft bei einigen als unbewusstes Programm. Vermutlich ist es ein alter Glaubenssatz, geprägt in der Kindheit. Dort wurden unsere Bedürfnisse oft übergangen und wir in der Familienherde nur anerkannt, wenn wir uns so Verhalten haben, dass Mama und Papa uns lieb fanden.

Ich habe ganz lange gar nicht gewusst, dass ich keine Grenzen setzen kann. Bei fremdem Menschen kann ich das nämlich schon immer ziemlich gut. So gut, dass man mir eigentlich gar nicht erst zu Nahe tritt. Und bei Nahestehenden ist es lange nicht aufgefallen, weil es bei mir weniger um äußere, sichtbare Dinge geht.

Ist dein Nein ein wirkliches Nein?

Meine Unfähigkeit Grenzen zu setzen und letztendlich für mich einzustehen, ist erst aufgefallen, als meine Tochter in das Alter kam, ihren eigenen Kopf durchzusetzen.

Das war die absolute Herausforderung für mich und ich bin heute so unglaublich dankbar, dass sie mich gelehrt hat, wie wichtig es ist, präsent zu sein. Ihre feinen Antennen haben ganz schnell erkannt, wenn mein Nein nur eine leere Worthülse war. Sie hat dann einfach so lange weitergemacht, bis ein echtes Nein aus mir herauskam 😀 Was mich damals manchmal in den Wahnsinn getrieben hat, sehe ich heute als ganz großes Geschenk. Sie hat mich in meine Kraft gebracht und damit einen Prozess in mir losgelöst, der auf verschiedenen Ebenen viele Jahre weitergelaufen ist.

Ich würde es heute so beschreiben, dass ich dadurch viel mehr Ich geworden bin. Dass ich meine Gefühle und Bedürfnisse viel besser spüre und dadurch überhaut erst mal wahrnehme, was mir wirklich gut tut und was nicht. Und ich habe die Kraft entwickelt, dafür einzustehen. Das heißt, die Grundvoraussetzungen dafür sind überhaupt erst einmal vorhanden.

Was brauche ich, um mich wohl zu fühlen?

Kurzum gesagt, habe ich dadurch bemerkt, dass ich zwar Menschen, die mir nicht besonders nahe stehen ganz wunderbar mitteilen könnte, wenn mir etwas nicht passt. Aber je näher jemand mir steht, umso schwerer ist es mir gefallen.

Mehr oder weniger plötzlich wurde mir bewusst dass mir einiges gar nicht gut tut, was ich in Freundschaften und Beziehungen gelebt habe. Das waren alles keine „schlimmen“ Dinge, aber trotzdem war es nicht so, dass ich mich damit wohl gefühlt habe.

Damit es nicht ganz so abstrakt bleibt ein Beispiel: ich bin kein Typ für oberflächliche Freundschaften. Ich brauche etwas länger dafür, aber wenn ich mich mal entschieden habe, dann gehe ich in Freundschaften Beziehungen ein. Ich lasse mich auf die Menschen ein, mache mich dementsprechend natürlich auch verletzlich. Dadurch entsteht eine tiefe, die ich sehr schätze.

Nicht jeder kann damit umgehen, nicht jeder möchte das. Und mir fiel nach und nach auf, wie viele „Freunde“ ich hatte, die diese Tiefe nicht wollten, die diese Verbindlichkeit nicht mochten oder die ihrerseits eben nicht so tief reingegangen waren.

Das hat sich dann dadurch geäußert, dass der Kontakt einfach nicht so intensiv war, wie ich es mir für eine Freundschaft vorstelle. Es fühlte sich für mich nach einem Ungleichgewicht an. Treffen gingen eher von mir aus, mein Wunsch nach Gespräch (statt WhatsApp-Kontakt) wurde nicht erfüllt und so weiter. Kleinigkeiten, die sich für mich aber nicht gut angefühlt haben. Die ich lange mitgemacht habe, die ich auch öfter ohne Ergebnis angesprochen habe, aus denen ich aber nie eine Konsequenz gezogen hatte.

Bis ich irgendwann endlich an dem Punkt angekommen war, der es mir erlaubt hat, anders zu handeln. Der Punkt hat viel mit Selbstliebe zu tun. Die Beziehung zu mir wurde so eng, dass ich keine Angst mehr hatte, allein zu sein. Weil ich gespürt habe, das ich immer für mich da sein werde, dass ich mich innerlich nicht mehr verlassen werde und dass ich für mich sorgen kann.

Die Befreiung

Bis dahin war mein Versuch, die Grenze zu setzen, in dem ich es thematisiere. In der Hoffnung, dass die Person mich hört und wahrnimmt und sich dann anders verhält.

Ich finde den Weg nach wie vor sinnvoll als ersten Versuch, denn in Beziehungen wie in Freundschaften sollte man doch bereit sein, Kompromisse einzugehen. Keine, bei denen man seine Werte verletzt, aber es gibt doch häufig Wege, die alle Beteiligten wohl fühlen lassen. Oft braucht es nicht mehr, als gehört zu werden.

(Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt, warum meine Versuche vielleicht auch oft gescheitert sind. Ich habe zwar meine Sicht mitgeteilt, aber es gab kein Zusammenkommen. Natürlich hat der/die andere auch Gründe für sein/ihr Verhalten. Doch es fehlte dieser Austausch darüber).

Dieses Gehörtwerden fand aber nicht statt. Und ich hatte offensichtlich nie den Mut, bzw. genaugenommen hatte ich nicht mal die Idee, selbst ins Handeln zu kommen.

Heute weiß ich, dass ich einfach Angst hatte. Ich hatte Angst, dass ich die Freundschaft verliere. Dass der Mensch, wenn ich Konsequenzen ziehe, aus meinem Leben verschwinden wird.

Ich würde jetzt gerne sagen, dass das nicht der Fall war. Aber das wäre gelogen. Das schöne ist: Das ist nicht so schlimm 😀

Tatsächlich haben sich einige Menschen aus meinem Leben verabschiedet, seitdem ich Grenzen setze. Einige mit großem Getöse (in Richtung, wie ich mich so verhalten kann), andere klammheimlich, indem sich einfach nicht mehr gemeldet wurde. Sonst war in diejenige, die das irgendwann nicht mehr ausgehalten hat und dann doch wieder ankam. Mache ich nicht mehr. Und was soll ich sagen? Es fühlt sich großartig an!!! Es ist ein grandioses Gefühl, für mich einzustehen. Für mich zu sorgen. Es fühlt sich so unglaublich frei an, nicht mehr in dieser Abhängigkeit zu sein.

Ja, es war erst mal schmerzhaft, weil ich gemerkt habe, dass ich manchen Menschen, die mir sehr viel bedeutet haben, offensichtlich nicht so viel bedeute, dass sie den Schritt auf mich zu wieder machen. Aber meine größte Angst dahinter, nämlich, dass ich irgendwann alleine dasitzen werde (die war mir natürlich nicht so bewusst), die hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Seitdem ich so klar bin, kommen immer mehr Menschen in mein Leben, die mir wirklich gut tun. Die mich genauso mögen, wie ich bin. Die mich annehmen und die ich auch gut annehmen kann. Wo es dieses Hickhack, diese Unstimmigkeiten gar nicht gibt. Oder wo es sie gibt, man aber drüber reden und eine Lösung finden kann. Menschen, die genauso gewillt sind wie ich, es hinzubekommen.

Der schönste Beweis, dass die Menschen, die wirklich zu mir gehören, auch bei mir bleiben, ist eine Freundin, die sich im Zuge meiner Selbstbehauptung verabschiedet hatte, und die jetzt wieder Teil meines Lebens ist. Dort brauchte es erst mal ein bisschen Zeit und Veränderung und nun passt es offensichtlich wieder mit uns beiden.

Was zu dir gehört, das bleibt. Was nicht bleibt, gehört auch nicht zu dir.

Selbstliebe hat nichts mit Egoismus zu tun

Das ist jetzt nur ein Beispiel, bei dem das Thema „Grenzen setzen“ eine Rolle spielt. Aber der Mechanismus bleibt auch in anderen Bereichen.

Es ist so wichtig, dass Du spürst, was du brauchst, damit du dich wirklich wohl fühlst. Daran gibt es nichts zu rütteln und zu drehen. Was immer du brauchst ist deine Wahrheit. (Aber unterscheide zwischen Bedürfnis und Strategie!)

Die Menschen um uns herum sind nicht dafür verantwortlich, uns unsere Bedürfnisse zu erfüllen und es ist hilfreich zu schauen, ob man andere Wege findet. Aber wenn du dich in einer Situation befindest, in der deine persönliche Grenze überschritten wird, auf welcher Ebene auch immer, ist es absolut notwendig, dass du dafür sorgst, dass deine Grenze eingehalten wird. Und wenn das mit der Person nicht zu vereinbaren ist, dann finde einen anderen Weg. Hab keine Angst davor, einen Menschen zu verlieren, denn wenn du in so etwas drin bleibst, dann wirst du dich verlieren.

Nicht gegen den anderen sondern für dich

Ich bin ja der totale Verbindungsmensch, deswegen ist mir dieser Schritt auch so schwer gefallen. Aber an der Stelle ist es gefragt, zunächst mit dir selbst im Kontakt zu sein und dir treu zu sein. Und nur, wer oder was dann zu dir passt, ist auch gut für dich. Steh für dich ein. Und genieße dieses schöne Gefühl, dass sich einstellt, wenn du gut für dich sorgst. Dieses „für dich sorgen“ ist ein Ausdruck deiner Selbstliebe. Hab vertrauen. Wenn du gut für dich sorgst, wenn du in der Liebe mit dir bist, werden sich die Dinge in der äußeren Welt zu deinem Besten wenden.

Alles Liebe
Bela

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2 Kommentare

  1. Alex Alex

    Hi bela, ich sehe die Richtigkeit der Theorie schon länger aber ich schaffe es einfach nicht da es meine Kinder sind, wo ich diese Grenze ziehen müsste. Ich sehe sie eh schon extrem wenig (einseitige beeinflussung durch Mutter) und will nicht von sehr wenig auf 0 sehen. Ich liebe doch meine Kinder. Aber danke!

    • Bela Janine Höfer Bela Janine Höfer

      Hallo Alex, ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe. Hast du Sorge, dass deine Kinder dich nicht mehr sehen wollen, wenn du bei ihnen Grenzen setzt? Oder bei der Mutter? Liebe Grüße, Bela

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