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Gewaltfreie Kommunikation – die Sprache des Herzens

Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg ist eine Sprache, die Verbindung schafft. In ihren vier Schritten ist es ein sehr einfaches und trotzdem sehr effektives Kommunikationsmodell. Neben der Möglichkeit, Konflikte damit zu lösen hilft es, durch die regelmäßige Übung eine innere Haltung entstehen zu lassen, die einen empathischen und konstruktiven Umgang miteinander fördert. Auch der Kontakt zur eigenen Innenwelt wird gestärkt, die eigenen Bedürfnisse werden klarer und es wird leichter, gut für sich zu sorgen.

Die GfK wird auch „Giraffensprache“, „Einfühlsame Kommunikation“, „Verbindende Kommunikation“ oder „Sprache des Herzens“ genannt. Das lässt schon mal erahnen, worum es bei diesem Modell geht.

Meine Gefühle sind Ausdruck meiner Bedürfnisse

Ich wurde zu der Zeit, als ich das Modell kennengelernt habe von meinen Emotionen häufig überrollt und fühlte mich der Trauer, dem Schmerz, der Wut etc. oft ausgeliefert. Durch die GfK habe ich gelernt, die Gefühle differenzierter wahrzunehmen und vor allem eine Verbindung zu den dahinter liegenden Bedürfnissen herzustellen. Meine Gefühle sind Ausdruck meiner Bedürfnisse. Sie werden als positiv erlebt, wenn die Bedürfnisse erfüllt sind, negativ, wenn sie nicht erfüllt sind. Wenn ich mich besser fühlen will, dann kann ich also für mich sorgen, indem ich mir meine Bedürfnisse erfülle. Doch dazu müssen mir diese erst mal bewusst sein. Das habe ich durch die GfK gelernt, indem ich regelmäßig hingeschaut habe. Manchmal fiel mir das nicht so leicht, da der Zugang ja etwas verschüttet war. Dann hat es mir geholfen, dass die Trainerin, einer der empathischsten Menschen, die ich kenne, mich dabei begleitet und unterstützt hat. Mit der Zeit wurde es immer leichter, das was in mir vorgeht wahrzunehmen und zu benennen.

Das Konzept von Schuld funktioniert nicht mehr

Ich habe also gelernt, dass jeder selbst verantwortlich ist für seine Gefühle und Bedürfnisse. Das bedeutet für mich, dass ich selbst es in der Hand habe, wie ich meine Welt erlebe. Und gleichzeitig bedeutet es auch, dass ich nicht verantwortlich bin für das Erleben meiner Mitmenschen. Das Konzept von Schuld funktioniert nicht mehr. Die Gewaltfreie Kommunikation bietet Wege, mit anderen Menschen in den Kontakt zu treten, sich über die jeweiligen Bedürfnisse auseinanderzusetzen und Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten stimmig sind. Das heißt nicht, dass man immer alles bekommt, was man gerne hätte. Aber mir hilft es sehr, wenn ich spüre, dass dem anderen an meinem Wohlergehen gelegen ist und das Anteil genommen wird an meinen Bedürfnissen. Ist das gegeben, dann fällt es mir sehr viel leichter, auf die Erfüllung meines Bedürfnisses zu verzichten, sollte es dem anderen gerade nicht möglich sein. Ist es nicht gegeben, z.B. weil mein Gegenüber das gerade nicht kann oder will, dann kann ich mir zumindest noch selbst Einfühlung geben und so für mich sorgen.
Umgekehrt habe ich selbst gelernt, mit gutem Gewissen auch mal nein zu sagen, mich abzugrenzen. Ich versuche aber, dabei aber im Kontakt mit dem anderen zu bleiben, so dass mein nein möglichst nicht verletztend ist. Da wir alle mehr oder weniger große Verletzungen mit uns rumschleppen, kann es sein, dass mein Gegenüber trotzdem verletzt ist. Da ich aber weiß, dass ich alles getan habe und auch im Kontakt bleibe, kann ich das gut beim anderen lassen. Ich fühle mich nicht schuldig am Schmerz des anderen. So bleibe ich offen und kann Anteil daran nehmen.

Nicht alles, was Du fühlst ist Deins!

Ein weiterer Aspekt, der mich extrem weiter gebracht hat, ist die bewusste Schulung der Empathie. Bis dahin dachte ich, dass alles, was ich fühle, meine eigenen Gefühle sind. Das war ziemlich belastend. Ich habe geglaubt, dass ich einen ganz schönen Schaden habe, weil ich mich in so vielen Situationen nicht wohl oder gut fühlte.
In den regelmäßigen GfK-Gruppenabenden, die ich anfangs besucht habe, ist mir dann aber klar geworden, wie viel ich von anderen Menschen mitbekomme. Ein Beispiel: Die Gruppe begann immer damit, dass jeder erzählte, wie er sich gerade fühlt. Häufig war es so, dass es eine bestimmte Stimmung im Raum gab. Dann sagten z.B. alle, dass sie sich gerade bedrückt fühlen. Wenn dann aber die Person, die dieses Gefühl in den Raum gebracht hat, (sich also auch vorher schon bedrückt fühlte, das aber nicht wahrnehmen konnte) es aussprach und dadurch auch wieder in den Kontakt damit kam, war das Gefühl bei allen anderen plötzlich verschwunden.
Ich habe ähnliche Situationen dann auch außerhalb der Gruppe beobachtet und tatsächlich ist es ziemlich häufig so erlebbar gewesen. Diese Erfahrung war unglaublich wichtig für mich. Heute ist das Thema Hochsensibilität bekannter, damals gab es das so noch nicht oder ich hatte zumindest noch nichts davon gehört. Irgendwann ist es als Erkenntnis so richtig angekommen bei mir: Nicht alles, was Du fühlst, ist Deins. Was für eine Erleichterung!

Die Gewaltfreie Kommunikation gehört zu einer Hand voll Dingen, die mein Leben maßgeblich verändert haben. Ich bin so froh und dankbar, dass es dieses Modell gibt. Deshalb würde ich gerne meinen Teil dazu beitragen, dass mehr Menschen davon erfahren und ausprobieren, ob es auch für sie etwas ist.

Ich möchte Dir die GfK gerne näher vorstellen. Daher werde ich in den nächsten Blogartikeln die weiteren Bausteine näher beschreiben:

Hast Du bereits Erfahrung mit der Gewaltfreien Kommunikation? Schreib mir gerne davon in den Kommentaren.

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