26/10/2016

Über emotionale Schutzmechanismen – und wie Du Dich davon befreist

By janine_hoefer_d5tq7z1w

Oktober 26, 2016


Das Leben ist kein Ponyhof – diesen (Glaubens)Satz hast Du wie viele andere sicherlich schon mehrfach im Leben zu hören bekommen. Und häufig bekommen wir das auch zu spüren. Deswegen hält er sich so wacker aufrecht. Immer wieder werden wir mit Situationen oder Menschen konfrontiert, die uns weh tun. Je nachdem, welche Strategien und welchen Umgang wir damit gelernt haben, erleben wir das als mehr oder weniger belastend. Ein Weg damit umzugehen ist, sich einen Schutzschild aufzubauen.

Wie schützt Du Dich?

Wenn Du schon häufig verletzt worden bist, dann hast Du Dir wahrscheinlich einen ordentlichen Panzer zugelegt. Das ist nachvollziehbar und effektiv. Wie eine Kastanie mit ihrer dicken Schale und ihren Stacheln bist Du so vor Angriffen geschützt. Allerdings können diese Stacheln auch anderen Schmerzen zufügen. Vielleicht ist Dir das manchmal sogar ganz recht? Schließlich wurdest Du auch verletzt. Vor allem aber sorgen die schützenden Stacheln oder eine dicke Schale auch dafür, dass Du in Deinem Kern nicht mehr berührt wirst. Auch die Menschen, die es wirklich gut mit Dir meinen, können so nicht mehr an Dich heran kommen. Vielleicht denkst Du jetzt, dass Du Deinen Schutz ja ablegen würdest, wenn Du genug Vertrauen geschöpft hast, Dich sicher fühlst, nicht wieder verletzt zu werden. Aber es gibt eine kleinen Haken an der Sache.

Das Resonanzgesetzt: Du ziehst an, was Dir entspricht

Das hörst Du vielleicht nicht gerne, aber von diesem Gesetzt kann sich niemand befreien. Da dürfen wir uns, und ich beschließe mich da ganz bewusst mit ein, an die eigene Nase fassen. Was immer auch zu uns kommt, hat mit uns zu tun. Und dabei geht es nicht um Schuld, Schuld interessiert mich nicht. Es geht nur darum, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Und zwar nicht für die Handlung des anderen, sondern dafür, dass Du so eine Situation erlebst. Dass Du bestimmte Menschen oder Verhaltensweisen anziehst. Das ist ein feiner Unterschied. Vor allem aber bist Du dafür verantwortlich, wie Du damit umgehst.
Verantwortlich zu sein hat irgendwie einen unangenehmen Beigeschmack. Ich glaube, weil es bei uns oft vermischt wird mit dem Begriff Schuld. Für mich bedeutet verantwortlich zu sein aber vor allem die Freiheit, mich entscheiden zu können, wie ich handeln möchte.

Wenn ich Verantwortung übernehme, bin ich kein Opfer der Umstände. Ich kann also auch etwas unternehmen, um die Situation zu ändern.

Ich glaube, dass dieses Gesetz Allgemeingültigkeit hat, auch wenn es Bereiche gibt, wo das schwer vorstellbar ist. Zum Beispiel, wenn es um Kinder oder um die Not in ganzen Völkern oder Ländern geht. Das lässt sich dann für mich nur noch erklären, wenn ich von einem größeren Rahmen ausgehe, nämlich davon, dass wir wiedergeboren werden und in eine Lage inkarnieren, die besondere Herausforderungen mit sich bringt, um gewisse Lernerfahrungen zu machen. Ich glaube daran, dass das so ist, weil ich verschiedene Erfahrungen gemach habe, die das bestätigen und weil es aus meiner Weltsicht heraus logisch ist. Aber Du musst dieses Theorie nicht annehmen. Das Resonanzgesetz für sich zu nutzen, funktioniert auch in einem kleineren Rahmen.
Also auch wenn Du davon ausgehst, dass Du erst ab einem gewissen Alter verantwortlich sein kannst für Dich und Dein Leben, dann gilt für Dich ab genau diesem Zeitpunkt, dass die Dinge, die zu Dir kommen (oder weg bleiben) auch mit Dir zu tun haben.

So kannst Du das Resonanzgesetzt für Dich nutzen

Vielleicht kennst Du das, dass Du immer wieder mit ähnlichen Verhaltensweisen konfrontiert wirst, die Dich aufregen, traurig machen oder irgendwie anders berühren. Ich kenne das jedenfalls ziemlich gut. Manche Themen halten sich hartnäckig. Wenn ich das Resonanzgesetz hier anwende, dann erkenne ich, dass mir dieses Erleben irgendetwas sagen möchte. Da gibt es was zu lernen. Neulich hatte ich so ein Erlebnis, wo mir noch mal ganz wunderbar mein Perfektionismus in einer ganz bestimmten Situation gespiegelt wurde, die ich bisher noch nicht kannte. Gesehen habe ich das natürlich nur bei der anderen Person. Dadurch, dass es mir aber zurückgespiegelt wurde („Für Perfektionismus bist Du doch zuständig.“) kam in mir ein Prozess in Gang, in dem ich erkennen konnte, warum ich in dieser Situation so perfektionistisch bin. Ich habe also die SItuation im Außen genutzt, um mich besser kennen zu lernen. Ich bin mir ein Stück weit bewusster geworden. Und das ist der erste Schritt, um sich von alten Mustern zu befreien.

Befreie Dich von Menschen, die Dir nicht gut tun und ziehe stattdessen andere an

Kommen wir zurück zu der Situation: Du hast Deinen zarten, verletzten und wunderschönen Kern im Inneren und der wird geschützt. Du trägst bildlich gesprochen eine Schale und Stachel um Dich herum, um nicht mehr verletzt zu werden. Du wünschst Dir wahrscheinlich sehnlichst, berührt zu werden, gesehen zu werden. Verstehst gar nicht oder vielleicht ahnst Du es doch, warum Du häufig abgelehnt wirst, was natürlich noch mehr Schmerz verursacht. Was Dich noch mehr zurückziehen und Deine Stacheln weiter ausfahren lässt. Und Du denkst Dir, es ist gut, das ich meinen Schutz habe. Ich werde nämlich wirklich immer wieder verletzt. Die Welt ist doof, die Menschen sind doof, ich sehe nicht, wo ich mich hier wohl fühlen darf.
Aber was meinst Du, welche Art von Menschen fühlen sich wohl neben Dir bei all den Stacheln und der dicken Schale? Sie sind kaum in der Lage, Dein Innerstes zu sehen und sie müssen wohl ebenfalls eine harte Schale haben, sonst würden sie selbst zu sehr verletzt.

Es werden genau die Menschen sein, die so sind, wie Du denkst, dass die da draußen sind: verletzend. Du ziehst genau diese Art von Menschen an, wenn Du Dich nur mit Deinen Stacheln zeigst.
Wenn Du also mehr von den anderen Menschen um Dich herum haben willst, die bei denen Du keinen Schutz brauchst, dann leg Deine Schale ab und zeig Deinen inneren Kern. Zeig Dich mit Deiner Verletzlichkeit.

Zeig Deinen wahren Kern!

Du wirst sehr schnell spüren, wo Du Dich damit wohlfühlen kannst, welche Menschen Du um Dich herum haben möchtest, wer Dir gut tut. Bei denen kannst Du bleiben. Ohne Stacheln. Und dann wird es die geben, bei denen Du am liebsten sofort wieder die Stacheln ausfahren möchtest. Die Dich nicht verstehen, die auf eine Art mit Dir umgehen, die Dich nicht gut fühlen lässt. Und hier darf jetzt der Wechsel stattfinden.

Hör auf, in einer Situation, die Dir nicht gut tut zu bleiben, indem Du Dich anpasst!

Vielleicht bist Du es gewohnt, in das alte Muster zu verfallen, die Mauern hochzuziehen, Dich zu schützen. Solche Mechanismen üben wir oft sehr früh ein, sie sind uns bekannt. Und da gibt es vielleicht sogar einen Drang „Wenn ich es nur genug versuche, dann werde ich es schaffen geliebt, gesehen oder angenommen zu werden.“

Stopp!

Vergiss es. Lass es. Das hat keinen Sinn. Du wirst die Menschen um Dich herum nicht ändern. Sie können sich nur selbst ändern und das werden sie nicht tun, so lange Du in Deiner Rolle bleibst. Geh in Deine Kraft, sorge gut für Dich, verabschiede Dich von diesen Menschen. Und vielleicht wird es einige geben, die dann in der Lage sind und auch den Wunsch haben, bei Dir zu bleiben. Die Dich auf einmal in Deiner Schönheit sehen können. Wer zu Dir gehört wird bleiben. Und wer nicht bleibt, der war auch nicht gut für Dich. Kannst Du Dir das vorstellen? Kannst Du darauf vertrauen?

Was kann schon passieren?

Ich denke, das Schlimmste was passieren kann ist, dass die Anzahl der Menschen in Deinem Umfeld sich verkleinert. Das kann natürlich erst mal blöd sein. Aber es sind ja Menschen, die Dir nicht gut getan haben, bei denen Du Dich nicht wohlfühlen kannst. Wie schlimm ist der Verlust wirklich? Und auf der anderen Seite wird so Platz für Neues geschaffen. Neue Menschen können in Dein Leben treten. Menschen, die besser zu Dir passen.

Vielleicht wirst Du hier und da ein wenig verunsichert sein, weil nicht immer so offensichtlich ist, wo Du mit dem, was in Dir steckst wirklich da sein kannst. Aber wenn Du achtsam bist, dann kannst Du vorsichtig die Grenzen abstecken und Dich rantasten. So halten sich eventuelle Verletzungen im Rahmen.

Wichtig ist auch zu bedenken, dass die wenigsten Menschen uns bewusst verletzen. Meist passiert so etwas, weil wir grundverschieden sind. Die Bedürfnisse des anderen sind oft nicht klar oder aufgrund der Andersartigkeit ist einfach kein Verständnis füreinander da. Vielleicht wurde auch kein guter Weg gefunden, die Bedürfnisse so mitzuteilen, dass sie gehört werden. Es ist also hilfreich, wenn Du es eher so sieht, dass jemand mit seiner Art nicht Deinen Bedürfnissen entspricht anstatt das Verhalten persönlich zu nehmen.

Suche Dir Menschen, bei denen Du so sein kannst, wie Du bist

Ich empfehle, Dir ganz bewusst Menschen zu suchen, wo Du davon ausgehen kannst, dass Du Dich dort wohl fühlen kannst. Also vielleicht einen Verein oder eine Gruppe, in der Menschen sind, die Achtsam miteinander umgehen. Das kann zum Beispiel eine Meditationsgruppe sein oder ein Ehrenamt, wo Du mit anderen Menschen etwas gemeinsam machst.
Menschen, bei denen Du Dich so zeigen kannst wie Du bist. Und Du wirst feststellen, dass sich diese Menschen auch Dir gegenüber offen und freundlich verhalten, wenn Du das tust. Es kann sehr befreiend sein, wenn man in eine neue, unbelastete Situation kommt und sich dann ganz anders erlebt. Das zeigt, wie sehr das eigene Verhalten auch mit dem Umfeld zu tun hat. Und diese Erfahrung kannst Du dann wiederum mit in Dein bisheriges Privatleben nehmen. Du öffnest Dir so neue Handlungsspielräume und gewinnst neues Selbstbewusstsein.

Es gibt keine Garantie

Wie ich oben schon beschrieben habe, lassen sich Verletzungen oder Schmerz nicht gänzlich vermeiden. Wir sind Menschen, mit unseren Schwächen und Unterschieden, da gibt es Reibungen. Das Leben verfolgt seinen eigenen Plan – und der entspricht nicht immer den eigenen Vorstellungen. Wir leben in der Welt der Dualitäten, da gehören Licht und Schatten zusammen, genauso wie Freud und Leid. Das eine geht nicht ohne das andere. Für mich bedeutet das Leben Entwicklung. Alles was lebt, befindet sich permanent in Veränderung. Und das bedeutet auch loslassen. Das alles kann auch schmerzhaft sein. Meine Vision, die ich zum Glück teilweise auch schon leben darf ist, dass wir uns gegenseitig in diesen unvermeidbaren Situationen unterstützen, anstatt uns unbewusst noch mehr Leid zuzufügen und voneinander abwenden.

Auf jeden Fall ist es möglich, einen guten Umgang damit zu finden, so dass diese unvermeidbaren Dinge gut tragbar sind. Mach Dir bewusst: es sind diese Situationen, an denen Du wächst, die Deine Entwicklung vorantreiben. Vorausgesetzt, Du nimmst sie als Herausforderungen an, stellt Dich, lernst daraus und gehst weiter. So kannst Du im Nachhinein zurückblicken, wunderst Dich, was Du alles gemeistert und was Du gelernt hast und wie sehr Du gewachsen bist. Beim nächsten Mal kannst Du auf diese Erkenntnisse zurückgreifen und dann wirst Du auch weniger verletzt reagieren, denn Du hast gelernt damit umzugehen und einen Weg entwickelt, wie Du gut für Dich sorgen kannst. Du kümmerst Dich um die verletzen Anteile in Dir.

Das Leben ist Entwicklung. In der Natur ist das deutlich sichtbar. Alles geht immer weiter, verändert sich, vergeht, Neues entsteht. Pass Dich diesem Rhythmus an, lass das Leben durch Dich fließen. Lass Dich mitreißen. Lebe! Und lass uns eine Welt erschaffen, in der wir mehr und mehr ohne unsere Schalen und Stacheln sein können.

Wenn Dir dieser Artikel gefallen hat, dann freue ich mich, wenn Du ihn teilst. Vielleicht hast Du jemanden in Deinem Umfeld, der oder die davon profitieren kann?

Alles Liebe,
Bela

PS: Mein Dank geht an die Kastanie (Titelbild), die mich zu diesem Thema inspiriert hat

Bela Janine Höfer

Seit 25 Jahren erforsche ich das Feld der Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie und Spiritualität. Und vermutlich werde ich nicht mehr damit aufhören, denn es hört nicht auf spannend zu sein. 

In diesem Blog teile ich meine Erfahrungen und mein Wissen mit Dir.

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