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Umgang mit Trauer und anderen Gefühlen – Wie viel Öffentlichkeit darf sein?

Ich befinde mich aktuell in einer sehr bewegenden Situation. Und ich habe mich gefragt, wie ich nun damit umgehe. Abwarten, bis es besser ist, bevor ich mich öffentlich zeige? Aber wann wird das sein? Ich beobachte in dieser Zeit so viele Dinge in mir, die ich auch spannend und nützlich finde. Erkenntnisse darüber, wie der Mensch in so einer Situation reagiert. Was für Mechanismen wirken, was gut tut, was weniger. Ich habe mich entschieden, das, was ich kann und gerne mache zu nutzen, um damit einen Mehrwert zu schaffen. Für mich und hoffentlich auch für andere. Vielleicht für Dich.

Wenn man einen geliebten Menschen verliert, steht für eine gewisse Zeit die Welt still. Nichts ist mehr, wie es war. Und gleichzeitig geht das Leben für alle anderen weiter. Wann dieser Moment ist, an dem man sich selbst bereit erklärt, ebenfalls weiterzugehen, ist wohl höchst persönlich und abhängig von verschiedensten Faktoren.

Ich merke, dass es mir gut tut, nachdem der erste Schock überwunden ist, weiterzugehen. Natürlich in einem anderen Tempo, mit einem anderen Fokus, begleitet von Trauer und Schmerz auf der eine Seite, Liebe und Dankbarkeit auf der anderen. Begleitet von lieben Menschen, die mich ein Stück weit tragen, auffangen, begleiten.

Hier und da Alltag, der Blick in die Zukunft, hilft mir selbst, mich nicht in meiner Emotionalität zu verlieren. Sie darf da sein, aber es fühlt sich gesund an, dem ganzen einen Rahmen zu geben.

Der Umgang mit den Gefühlen

Gleichzeitig nehme ich jetzt besonders wahr, wie wichtig mir das Thema der Gefühle ist. So oft war ich alleine mit meinem Schmerz, entweder, weil es gerade niemanden gab, mit dem ich ihn hätte teilen können, oder weil ich es nicht geschafft habe, mich damit zu zeigen. Weil ich zu sehr darauf konditioniert gewesen bin, es alleine zu schaffen.

Gefühle sollten ins Leben integriert werden

Diesmal nicht. Weder bin ich allein, noch spüre ich in mir irgendwas, was mich zurückhält. Im Gegenteil. Wann, wenn nicht jetzt? Diese Frage begleitet mich gerade in verschiedenen Angelegenheiten. Es fühlt sich so gut an, wenn Anteil genommen wird. Als würde jedes freundliche Wort den Schmerz ein kleines bisschen leichter machen. Heute kann ich es annehmen.

Ich habe schon lange die Überzeugung in mir, dass es gut ist, Menschen an meinen Erfahrungen teilhaben und davon profitieren zu lassen. Das gibt vielem einen Sinn. Heute fällt es mir leicht, über meine Gefühle zu sprechen. Nicht nur das. Grundsätzlich macht es mir sogar große Freude, diese oft so wenig greifbaren Dinge zu benennen, ihnen dadurch eine Form zu geben, die andere verstehen können, in denen sie sich wiederfinden können. Warum also nicht auch jetzt?

Tadaaa!

Hier bin also mit meiner Trauer, meinem Schmerz, mit dem Verlust. Ja, ich mute mich zu :o) Gehe das Risiko ein, dass jemand nicht weiß, wie damit umgegangen werden soll (hier jetzt wohl weniger aufgrund des fehlenden direkten Kontakts, aber im übertragenene Sinne). Denn genau das ist das Problem, das ich in unserer Gesellschaft sehe. Wir haben einfach nicht gelernt, wie wir mit Gefühlen umgehen sollen. Am besten werden sie unter den Teppich gekehrt. Im stillen Kämmerlein, ja, da kann man schon mal weinen. Aber ansonsten bitte Haltung bewahren, bloß keine Schwäche zeigen. Oder umgekehrt. Mal ehrlich: Wie oft hast Du jemanden NICHT gefragt, wie es ihm/ihr geht, weil Du Dir unsicher warst, ob Du mit einer ehrlichen Antwort umgehen kannst? Gerade beim Thema Tod habe ich das bei mir selbst jedenfalls schon erlebt. Weil ich einfach nicht wusste, was man da sagt außer „Herzliches Beileid“. Mir fehlte die Erfahrung. Kein Umgang damit gelernt.

Dabei steckt so viel Potenzialen in unseren Gefühlen. Und man kann lernen, wirklich gut damit umzugehen. Man kann lernen, sich damit zu halten. Aber natürlich braucht es dafür ein wenig praktische Erfahrung. Wenn man immer verdrängt und unterdrückt, dann wird das nix. Dann fühlt man sich zurecht schlecht mit diesen verkorksten Gefühlen. Weil sie dann nämlich wirklich zu Leid führen. Und so gefühlskräpeln die meisten vor sich hin.

Wir brauchen dringend eine Gefühlskultur. Den Umgang mit Gefühlen sollte man lernen. Und wenn schon nicht zuhause, dann wenigestens in der Schule. Irgendwo sollte das zum Standardprogramm eines Menschen gehören, dass man weiß, was man tun kann, wenn Gefühle einen bewegen oder sogar überfordern.

Zeig Dich!

Ich möchte Menschen ermutigen, diesen gesunden Umgang zu erlernen. Für sich selbst, für ihre Kinder, für eine gesündere Gesellschaft. Das ist Teil meiner Aufgabe. Menschen zu helfen, sich zu spüren und dem, was sie spüren, Ausdruck zu verleihen. Sich damit zu zeigen. Ihre Gefühle anzuerkennen. Ich möchte, dass Gefühle normal werden in unserem Alltag. Dass niemand sich für irgendein Gefühl schämt, sich zu viel damit fühlt oder es aus anderen Gründen zurückhält und sich schlimmstenfalls damit quält.

Wir haben keine Gefühlskultur in unserer westlichen Welt.

Das gefällt mir nicht. Daher mag ich es gerne anders machen. Mag zeigen, wie es auch gehen kann. Und ja, das bedeutet hier und da mich nackig zu machen. Aber das stört mich nicht. Klar hab ich Schutzräume. Ich trag nicht alles raus. Angemessen an den Rahmen, in dem ich mich bewege, was sich für mich gut anfühlt.
Aber an der richtigen Stelle darf es auch gerne mal alles sein. Ungeschont und ungeschönt. In der vollen Verantwortung. Niemand muss sich zuständig fühlen. Niemand muss mich trösten oder retten. Ich möchte einfach da sein dürfen mit dem, was in mir gerade lebendig ist. Möchte mich nicht verstecken, nur weil hier und da Tränen aus mir raussprudeln.

Und so zeige ich mich nicht nur bei meinen Freunden, sondern auch hier. Denn vermutlich wird es in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder Momente geben, in denen mich die Trauer überfällt. Warum irgendetwas zurückhalten. Warum mich trennen in einen Teil, der für die Öffentlichkeit (erträglich) ist und einen Teil, der gewisse Gefühle zu verdauen hat, so wie es nur so oft bei uns gehalten wird? Schließlich geht es bei meiner Arbeit um Gefühle. Um einen gesunden Umgang damit. Und dazu gehört für mich, dass sie da sein dürfen, wo sie gerade sind.

Vieles werde ich darüber lernen in der nächsten Zeit. Vieles, was ich noch nie erlebt habe, weil ich noch nie einen Menschen verloren habe, den ich so geliebt habe. Vielleicht kann ich damit inspirieren, vielleicht Räume eröffnen, vielleicht berühren. Das würde mich freuen. Dann hat es einen Sinn ❤️

Alles Liebe
Bela


Hinweis-PfeilWenn du Unterstützung in diesem Bereich haben möchtest, begleite ich dich gerne auf diesem Weg, Zum Beispiel im HeartMath Coaching oder mit einer Expansion.

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