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Was Du über Dein Gehirn wissen solltest

Zu was für Genialität unser Gehirn in der Lage ist, muss ich wohl nicht erst ausführen. Ich finde es absolut beeindruckend, wie der Mensch in der Lage ist, Neues zu erschaffen, es sich gedanklich vorzustellen und dann tatsächlich auch in die Welt zu bringen. Wünschenswert ist, dass unsere Spezies irgendwann einmal an den Punkt kommt, diese Fähigkeiten nur noch zum Wohle aller zu nutzen. Neben den großen Erfindungen dieser Welt erschaffen wir uns aber auch tagtäglich und im Kleinen unsere eigene Wirklichkeit. Dazu gibt es ein paar Dinge, die Du über Dein Gehirn wissen solltest, damit Du es bestmöglich für Dich nutzen kannst. Dieser erste Artikel bezieht sich auf die Unterschiede der Gehirnhälften und damit, was Deine persönliche Entwicklung mit Deinem Gehirn zu tun hat. Im nächsten Artikel geht es dann um die „3 Gehirne“, die wir in unserem Kopf haben.

So funktioniert Dein Gehirn

Das Gehirn ist ziemlich komplex und ich werde jetzt keine wissenschaftliche Abhandlung darüber schreiben. Die Informationen stammen überwiegend aus dem unten genannten Buch sowie verschiedener Fachartikel. Gerade was die Aufteilung in linke und rechte Gehirnhälfte betrifft habe ich aber unterschiedliche Informationen gefunden, so dass das hier mein Versuch ist, diese Informationen mit meinen Erfahrungen zu einem sinnvollen Bild zusammenzubringen.  Ich beschränke mich dabei auf ein paar wesentlichen Punkte, die Dir helfen können zu verstehen, wie Du die Funktionsweise Deines Gehirns für Dich und Dein Wohlbefinden nutzen kannst.

Rechte und linke Gehirnhälfte – Wer macht was

Unsere beiden Gehirnhälften haben unterschiedliche Fähigkeiten und vor allem eine unterschiedliche Art der Wahrnehmung und Verarbeitung. Sie sind miteinander verbunden und nur gemeinsam genutzt können wir unser volles Potenzial entfalten. Wir erleben die Welt, ohne dass wir bewusst spüren würden, welche der beiden Hälften gerade die Aktivere ist. In der ach so fortschrittlich entwickelten Welt benutzen und fordern wir allerdings überwiegend die linke Gehirnhälfte, die eher für das logische, rationale Denken zuständig ist.

Wenn Du mal einen kleinen Test machen möchtest, dann schau Dir dieses Video an:

Die Drehrichtung der Tänzerin soll anzeigen, welche Gehirnhälfte die Aktive ist. (Im Uhrzeigersinn = rechte Gehirnhälfte) Faszinierend ist, dass man die Drehrichtung tatsächlich steuern kann.

 

Die linke Gehirnhälfte: Ich – zeitliche Abfolge – vergleichen

Die linke Gehirnhälfte denkt in Raum und Zeit. Es existieren Vergangenheit und Zukunft und dementsprechend werden die Erlebnisse abgespeichert um dann zu einem späteren Zeitpunkt mit neuen Erlebnissen abgeglichen werden zu können. Die linke Gehirnhälfte liebt Details. Jeder Moment steht für sich und kann in eine logische Abfolge gebracht werden. Also erst die Zahnpasta auf die Zahnbürste, dann die Bürste in den Mund usw. Diese Gehirnhälfte sorgt dafür, dass wir uns als Individuum wahrnehmen. Ein eigenständiges, unabhängiges Wesen mit einer eigenen Geschichte, entstanden aus den gemachten Erfahrungen in der Vergangenheit. Aus diesem erlebten Ich bilden sich Meinungen und Urteile.

Die rechte Gehirnhälfte: Wir – Jetzt – wahrnehmen, was ist

Die rechte Gehirnhälfte dagegen erlebt sich als All-eins. Sie nimmt alles auf einmal wahr. Es gibt weder einen definierten Raum noch eine zeitliche Abfolge. Alles ist jetzt – gleichzeitig. Es ist reines sinnliches Erleben. Grenzen verschwinden. Das Ich aus der linken Gehirnhälfte existiert hier nicht und so gibt es auch keine Beurteilungen und Bewertungen von Situationen oder Menschen. Es ist wie es ist. Die rechte Gehirnhälfte erkennt die Beziehungen zwischen allem was ist, nimmt die Welt als großes Ganzes wahr. Sie ist der Sitz für Empathie und Mitgefühl.

Die Auswirkungen

Wenn man bedenkt, dass die „zivilisierte“ Menschheit momentan überwiegend in der linken Gehirnhälfte unterwegs ist, wundert es nach dieser Auflistung nicht, das so viel Unrecht, Gewalt und Ausbeutung in der Welt geschieht, oder? Wer dagegen überwiegend in der rechten Hälfte unterwegs ist, dem ist es kaum möglich, sich so zu verhalten. Wie könnte man anderen Menschen Leid zufügen, wenn man gleichzeitig wahrnimmt, dass man mit diesen Anderen verbunden ist?

Vielleicht ist so auch erklärbar, warum es so unglaublich entspannend ist, zu meditieren. Dabei wird ja bewusst von den Erlebnissen des Ichs, somit von der linken Gehirnhälfte, Abstand genommen und Rechts darf dominieren. Das bedeutet, dass alles, was mit dem Ich verbunden ist, also auch alle belastenden, schmerzhaften, bedrückenden Erfahrungen aus der Vergangenheit, nicht mehr so sehr gespürt und bewertet werden. Es wird diesen Dingen einfach weniger Bedeutung gegeben, sich nicht mehr identifiziert. Wie ein kleiner Urlaub von sich selbst. Welch eine Erholung! Gleichzeit wird die Verbindung oder Einheit mit der Welt gespürt. Etwas, wonach der Mensch in seinem tiefsten Inneren strebt.

Nutze Dein GANZES Gehirn!

Wenn wir allerdings nur noch aus der rechten Hälfte heraus leben würden, dann würden wir wahrscheinlich nicht mehr viel zustande bringen. Es fehlt dann der Antrieb, das Ich, das z. B. dafür sorgt, dass Geld auf dem Konto landet und der Kühlschrank auch am Monatsende noch mit Essen gefüllt ist.

Ein Bericht aus erster Hand

An dieser Stelle möchte ich Dir einen beeindruckenden und auch bewegenden Vortrag zeigen. Und zwar erzählt Jill Bolte Taylor davon, wie sie einen Schlaganfall erlitten hat, bei dem Bereiche der linken Gehirnhälfte ausgefallen sind. Das Besondere: sie ist selbst Hirnforscherin und es ist ihr gelungen, diesen Schlaganfall ziemlich bewusst mit zu verfolgen. Sie hat es geschafft, wieder vollständig davon zu genesen und hat dann auch noch ein tolles Buch darüber geschrieben. Dazu komme ich später noch mal. Mich hat dieser Vortrag sehr beeindruckt.

Noch mal grob zusammengefasst:

Linke Gehirnhälfte Rechte Gehirnhälfte
Logik
Zeitliche Abfolge
Ich
Details
Denken
Jedes für sich
Unabhängigkeit
Wahrnehmen
Jetzt
Wir
Das große Ganze
Fühlen
Beziehungen
Verbindung

Es ist nicht eine Hälfte besser oder schlechter. Jede hat ihre Daseinsberechtigung. Es sind einfach gegensätzliche Wahrnehmungsmöglichkeiten der Welt. Um vollständig zu funktionieren, benötigen wir beides. Doch tun wir gut daran, die linke Gehirnhälfte mit ihren Fähigkeiten für uns bewusst zu nutzen, anstatt uns von ihr versklaven zu lassen. Und wir tun auch gut daran, die Fähigkeiten der rechten Gehirnhälfte bewusst zu fördern, um mehr Verbindung, mehr Beziehung und weniger Verurteilungen zu erleben. Für mehr Entspannung, mehr Zufriedenheit und mehr Frieden.

So kannst Du die Eigenschaften der rechten Gehirnhälfte trainieren

Unser Gehirn entwickelt sich so (= Verbindungen entstehen), wie es gefordert wird. Wenn Du also mehr der Eigenschaften aus der rechten Gehirnhälfte dauerhaft aktivieren möchtest, dann kannst Du das machen, indem Du sie bewusst übst, zum Beispiel durch Meditation oder Achtsamkeitsübungen (= wahrnehmen was ist).

Ich war früher ziemlich verstandesorientiert, also in der linken Gehirnhälfte unterwegs. Mir hat damals die Gewaltfreie Kommunikation sehr geholfen, die Fähigkeiten der rechten Gehirnhälfte zu aktivieren, denn in der GfK geht es darum, wahrzunehmen, was gerade Lebendig ist, nicht zu urteilen und Mitgefühl zu empfinden. Das regelmäßige Üben der GfK ist also gleichzeitig ein super Training für diese Art der Wahrnehmung gewesen, das mir sehr geholfen hat, die Welt mittlerweile auch überwiegend so zu erleben.

Die Herzintelligenz

Empathie und Mitgefühl gehören zu den Grundgefühlen des Herzens. Das Herz urteilt nicht. Es nimmt einfach wahr, was ist, so wie es die rechte Gehirnhälfte tut. Es ist verbunden mit einer höheren Weisheit, denn die Wahrnehmung geht über die Erlebnisse des Ichs, das ja im Wesentlichen aus den gesammelten Erlebnissen der Vergangenheit besteht, hinaus. Das Herz ist, entsprechend dem Erleben der rechten Gehirnhälfte, verbunden mit dem All-eins und kann auch auf dieses Wissen zugreifen. Die bewusste Verbindung mit dem Herzen fördert aus meiner Erfahrung heraus das Erleben der rechten Gehirnhälfte (mit den zugehörigen Eigenschaften) und umgekehrt. Und das kann trainiert werden.

Wenn Du mehr dazu erfahren möchtest, dann komm zu mir in die Herzzeit. Dort üben wir gemeinsam, Kontakt mit unseren Herzen aufzunehmen und diese Verbindung bewusst zu stärken.


Warum Dir Dein Gehirn bei Deiner Entwicklung im Wege steht

Das Leben ist Veränderung. Permanent. Nichts bleibt, wie es war. Auch wenn wir das in manchen Bereichen nicht so gerne wahr haben wollen (und da kann ich ein Lied von singen :D). Es wäre also ziemlich töricht, wenn man sich im Laufe des Lebens nicht mit verändert und sich an die neuen Begebenheiten anpasst. Für mich wäre eines der unschönsten Komplimente, wenn mir jemand, den ich seit 20 Jahren nicht gesehen habe, sagen würde „Du bist ja noch genauso wie früher.“ Ich will gar nicht mehr so sein. Ich bin heilfroh, dass ich viele der Dinge, die mir im Wege standen, ablegen konnte.

Go with the flow

Natürlich muss man nichts verändern, was sich gut anfühlt, aber ich bin ziemlich sicher, dass auch Du Eigenschaften oder Verhaltensweisen an Dir hast, die Dich behindern und die Dir für ein zufriedenes und selbstbestimmtes Leben im Wege stehen. Um diese Bereiche geht es mir, wenn ich dazu motivieren möchte, an Dir „zu arbeiten“. Es geht darum, Dich noch besser mit Dir selbst zu fühlen und Dein eigenes Sein mehr und mehr zum Ausdruck bringen zu können. Falls Du jetzt Widerstände in Dir spürst („Ich bin aber nun mal so.“ „Ich war schon immer so.“ usw.), dann hab ich da vollstes Verständnis für, denn das ist ziemlich normal. So funktioniert unser Gehirn nun mal. Aber ich gehe noch mal ein paar Schritte zurück, um das zu erklären.

Charakter ist veränderbar vs „Ich bin halt so“

Die Mehrzahl der Neuronen in unserem Gehirn sind so alt wie wir selbst, da diese Zellart sich nicht erneuert. Es sind dieselben Zellen wie bei unserer Geburt. Was sich aber verändert sind die Verbindungen untereinander – und zwar abhängig von unseren Erfahrungen. Daher sind diese Verbindungen auch das, worin unsere Gehirne sich unterscheiden. Ansonsten ähneln sie im Aufbau einander sehr.

Wenn wir ein bestimmtes Erlebnis haben, dann speichert unser Gehirn dies ab, um später wieder darauf zurückgreifen zu können. Es arbeitet effizient, was Ressourcen spart und im Notfall lebensrettend sein kann. So ist es gedacht. Ich muss nicht jedes Mal auf ein Neues ausprobieren, ob mir eine Situation bekommt. Ich kann beim nächsten Mal auf meinen Erfahrungsschatz zugreifen und entsprechend reagieren.

Demnach wird mit jedem ähnlichen Erleben diese Verbindung im Gehirn verstärkt und aufrecht erhalten. Du kannst Dir das vorstellen, wie ein Weg, der dadurch entstanden ist, dass immer wieder dieselbe Abkürzung über den Rasen gegangen wurde, so lange bis irgendwann kein Rasen mehr da ist. Mit der Zeit ist der Weg immer besser sichtbar, der Boden ganz festgetrampelt. So wie es immer leichter wird, diesen Weg zu gehen, so wird es auch immer leichter, dasselbe Programm im Gehirn abzuspulen. Was aber, wenn Du gerne mal einen neuen Weg ausprobieren möchtest?

So kannst Du festgefahrene Wege verlassen

Noch mal: Der Vorteil ist, dass unser Gehirn auf diese Weise keine neue Entscheidung treffen muss (was Zeit und Energie kostet), sondern sich auf seine Erfahrungen verlassen kann. Keine neuen Entscheidungen treffen zu müssen, kein Neuland betreten zu müssen, das gibt ja auch ganz viel Sicherheit, ist also viel angenehmer und leichter. Sicherlich bist Du schon mal mit dem Fahrrad über eine Rasenfläche gefahren. Das ist eine ziemlich holprige Angelegenheit und man sieht doch zu, dass man möglichst schnell wieder auf den Weg kommt.

Der Nachteil ist aber, dass diese Erfahrungen immer auf Vergangenem beruhen. Es wird also nicht miteinbezogen, was sich seitdem verändert hat. Vielleicht willst Du gar nicht mehr dorthin, wo Dich dieser festgefahrene Weg hinbringt. Vielleicht würdest Du gerne mal rechts und links vom Weg schauen, ob es nicht was anderes Schönes gibt. Das ist allerdings gar nicht so einfach, vor allem, wenn der Weg schon richtig tief geworden ist von der ständigen Benutzung. Und trotzdem:

„Ich bin halt so“ ist Bullshit. Veränderung ist jederzeit möglich.

Achtsamkeit und Mut sind gefragt

Wie schon beschrieben, bringt das Begehen neuer Wege viel Unsicherheit mit sich. Du wirst Fehler machen, musst erst mal ausprobieren, rausfinden, wo Dein Weg jetzt langführen soll. Dazu bedarf es einer inneren Sicherheit, Selbstvertrauen und auch einem Vertrauen darin, dass nichts Schlimmes geschehen wird. Wir reden hier ja von Veränderungen im Bereich des Verhaltens und des Charakters. Das sind Bereiche, mit denen wir uns im Laufe des Lebens meist total identifizieren (linke Gehirnhälfte, Ich-Bewusstsein und so) . Eigenschaften oder Verhalten, von denen wir denken, dass wir das sind. „Ich bin eben so“, den Satz hast Du sicherlich auch schon oft gehört, vielleicht auch selbst gesagt, oder?

Wenn Du jetzt also anfängst, so etwas aufzuweichen, zu verändern, dann bedeutet das ein Stück weit auch, das aufzugeben, wovon Du bisher dachtest, dass das Dein Sein ist. In Wirklichkeit ist es aber nur das Ego. Also das, was wir meinen zu sein. Das erfordert Mut und Achtsamkeit.

Daher ist es so hilfreich, wenn man durch Praktiken wie Meditation bereits gelernt hat, diese Identifikation zu lösen und das beobachtende Sein dahinter zu erkennen. Umso leichter ist es dann, auch solche festgefahrenen Verhaltensweisen loszulassen. Um es wieder in eine Metapher zu bringen: Wir müssen erst einmal erkennen, dass der Schmerz an den Füßen nicht die Füße selbst sind, sondern, dass die getragenen Schuhe zu klein sind. Dann liegt die Lösung – nämlich die Schuhe auszuziehen – ganz nah.

Das Buch zum Vortrag von Jill Bolte Taylor

Buch: Mit einem Schlag - Jill Bolte Taylor
Dr. Jill B. Taylor beschreibt in ihrem Buch „Mit einem Schlag“, wie sie sich von einem Schlaganfall, ausgelöst durch ein Angiom in der linken Gehirnhälfte, wieder erholt. Dieses Buch ist sehr zu empfehlen, vor allem für Menschen, die mit Schlaganfallpatienten zu tun haben, aber auch für alle anderen, die mehr über das Wunder des Gehirns wissen möchten. Sie erzählt, wie sie mit Hilfe ihrer Mutter nach und nach die verschiedenen Funktionen ihres Gehirns wieder aktiviert hat – und vor allem, wie sich sich bewusst entscheiden konnte, ungewollte Bereiche nicht mehr zu aktivieren. Hier ein Zitat aus dem Buch:

„Eine der wichtigsten Lektionen, die ich gelernt habe, war, dass ich die körperliche Komponente von Empfindungen fühlen und spüren konnte. Freude war ein Gefühl in meinem Körper. Frieden war ein Gefühl in meinem Körper. Ich fand es interessant, dass ich es fühlen konnte, wenn eine neue Empfindung ausgelöst wurde. Neue Empfindungen flossen durch mich hindurch, und ich lernte, dass ich die Macht hatte, dieses Gefühl entweder zu halten oder schnell wieder loszuwerden.

Meine Entscheidungen basierten darauf, wie sich die Empfindungen in meinem Innern anfühlten. Bestimmte Emotionen wie Wut, Frustration, oder Angst waren mir unbehaglich, wenn sie durch meinen Körper gingen. Also sagte ich meinem Gehirn, dass ich diese Gefühle nicht mochte und es nicht in den neuronalen Schaltkreis verankern wollte. Ich lernte, dass ich über das Sprachzentrum in meiner linken Gehirnhälfte direkt mit meinem Gehirn sprechen und ihm sagen konnte, was ich wollte und was nicht. Als ich das feststellte, begriff ich, dass ich nie wieder die Persönlichkeit werden würde, die ich vorher war. Plötzlich hatte ich viel mehr dazu zu sagen, wie ich mich fühlte, und ich hatte nicht vor, die alten emotionalen Schaltkreise, die viel schmerzlicher gewesen waren, wieder in Gang zu setzen. […]

Ich war sehr wählerisch bei den emotionalen Programmen und habe mir genau ausgesucht, welche ich wieder zurückhaben und auf welche ich lieber verzichten wollte – beispielsweise auf Ungeduld, Kritik, Unfreundlichkeit. So gesehen war dieser Schlaganfall also ein wunderbares Geschenk, weil er mir erlaubt hat zu bestimmen, wer und wie ich in dieser Welt sein will. Vor dem Schlaganfall glaubte ich, ich sei ein Produkt meines Gehirns und hätte nur wenig selbst dazu zu sagen, wie ich fühlte oder was ich dachte. Die Hirnblutung hat mir die Augen darüber geöffnet, welche Entscheidungsmöglichkeiten ich tatsächlich habe.“

Die Erkenntnis, die Jill Bolte Taylor durch ihren Schlaganfall bekommen hat ist also, dass sie die Möglichkeit hat, ihre Gehirnstrukturen, also die festgefahrenen Wege, zu verändern und somit sowohl das Erleben, als auch das Verhalten nach den eigenen Wünschen anzupassen. In ihrem Fall waren die Wege weg und sie hatte die Möglichkeit, neue Wege anzulegen, wodurch es vielleicht auch möglich war, das ganze so bewusst zu erkennen. Aber auch ohne Schlaganfall ist es natürlich möglich, sich neue Verbindungen im Gehirn zu erschaffen. Es Bedarf nur ein wenig Achtsamkeit und Beharrlichkeit. Gemessen am Ergebnis lohnt sich dieser Aufwand aber definitiv!

„Und als ich erkannte, dass die individuelle Wahrnehmung der Außenwelt und der Beziehung dazu nur die Folge neurologischer Schaltkreise sind, empfand ich das als Freiheit und als Herausforderung zugleich. In Wahrheit war ich all die Jahre nur ein Phantasiegebilde meiner eigenen Vorstellungskraft gewesen!“

Wir kreieren uns unser Weltbild und unsere Vorstellung von uns selbst aufgrund der Erfahrung, die wir einmal gemacht haben. Das Gehirn produziert daraufhin neurologische Kreisläufe, Gedankenmuster, die unsere weitere Wahrnehmung beeinflussen. So nehmen wir die Welt durch unseren Filter wahr.

Wenn Du also etwas anderes erleben möchtest, musst Du Dir einen neuen „Schaltkreis“ anlegen. Das kann durch physisches Erleben geschehen, funktioniert aber auch, wenn Du dir in Deinen Gedanken das gewünschte Bild erzeugst und mit Emotionen anreicherst. Dein Gehirn kann nämlich nicht unterscheiden, auf welcher Ebene das Erleben statt gefunden hat. Regelmäßig angewendet wird Dein Gehirn so nach und nach auf ein neues Erleben hin umprogrammiert, was dann auch in der Außenwelt dazu führen kann, dass Du die entsprechenden Erfahrungen machst. Also:

Nutze die Funktionsweise Deines Gehirns und erschaffe Dir die Wirklichkeit, in der Du leben willst!

Ein letztes Zitat aus dem Buch noch zum Abschluss .

„Der abgeschaltete intellektuelle Verstand meiner linken Gehirnhälfte behinderte nicht mehr mein angeborenes Bewusstsein, dass ich die wundersame Kraft des Lebens selbst war. Ich wusste, dass ich jetzt anders war – aber ich empfand mich nicht als „weniger“ als das, was ich vorher war. Ich war ein Lichtwesen, dass Leben in die Welt strahlte. Ganz gleich, ob ich ein Körper oder ein Gehirn hatte, die mich mit der Welt der anderen verbinden konnten, ich sah mich als Meisterwerk der Zellen. Ohne die kritisch-negative Beurteilung meiner linken Hirnhälfte nahm ich mich als perfekt vollständig und schön wahr.“

Viel schöner kann man das menschliche Sein doch nicht beschreiben. Was für ein Segen wäre es, wenn wir uns alle an diese  Schönheit erinnern würden. Und was für ein Geschenk, dass diese Frau das alles so erlebt hat und die Welt mit ihren Erkenntnissen bereichern kann.

Im zweiten Teil geht es um die 3 Gehirne, die wir in unserem Kopf haben und warum wir manchmal „zum Tier werden“.

Alles Liebe wünscht Dir
Deine Bela

 

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